der klostergarten nydala
Seien Sie herzlich willkommen und nehmen Sie Teil am Projekt ”Klostergarten Nydala”! In Vorträgen, Studienkreisen, Ausstellungen und nicht zuletzt mit der archäologischen Ausgrabung möchten wir von unserer mittelalterlichen Gartenkultur erzählen.

Wenn Sie Fragen zum Projekt haben oder aktuelle Informationen über Nydala erhalten möchten, wenden Sie sich bitte an das Touristenbuero Värnamo unter

Tel: +46 (0) 370-188 99
Fax: +46 (0) 370-157 11
E-Mail: info@visit-vaernamo.com
 
Deutsche Übersetzung der Homepage -
Jönköpings Läns Museum


Die Texte der Homepage wurden von Ulrike Steffen, einer Kunstgeschichtsstudentin aus Deutschland, in die deutsche Sprache übersetzt. Sie absolvierte im Jahr 2004 ein dreimonatiges Praktikum im Jönköpings Läns Museum.
Die Übersetzung ist eine willkommene Ergänzung der Homepage und sie bildet auch die Grundlage für zukünftiges Informationsmaterial.

Informationen auf Schwedisch oder Englisch erteilt Ihnen gerne Hanne Romanus, Projektleiterin des Projektes ”Klostergarten Nydala”:

Tel: +46 (0) 370-37 72 46
Fax: +46 (0) 370-37 72 00
E-Mail: hanne.romanus@varnamo.se
Adresse: Miljö- och stadsbyggnadskontoret, S-331 83 VÄRNAMO, SWEDEN

Text: Hanne Romanus, Übersetzung: Ulrike Steffen

Der klostergarten Nydala

Leider wissen wir heute über den mittelalterlichen Gartenbau in Schweden nur relativ wenig. Dies ist damit zu erklären, dass in es in Schweden und in den nordischen Ländern nur wenige schriftliche Quellen gibt, die uns berichten, wie und was man in unserem Land vor dem 16. Jahrhundert angebaut hat. Ein weiterer Grund ist auch, dass es bisher keine archäologische Ausgrabung in Schweden gegeben hat, die versuchte, diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Das Kloster Nydala wurde 1143 von französischen Zisterziensermönchen gegründet und ist zusammen mit Alvastra eines unserer ersten Zisterzienserklöster. Das Kloster sollte sich gemäß den Ordensregeln selbst versorgen, man baute unter anderem Gemüse, Obst, Gewürze und Kräuter an. Wir besitzen jedoch keine schriftliche Quellen, die uns vom Klostergarten in der Zeit der Mönche berichten oder darüber, was geschah, als das Kloster im Zuge der Reformationen im 16. Jahrhundert zerstört wurde.

Nydala ist heute eine kleine Gemeinde ca. 20 km nordöstlich von Värnamo und mitten im småländischen Wald lag die alte Klosterruine mehrere hundert Jahre lang relativ vergessen. Ob sie uns wohl heute mehr über ihre mittelalterliche Gartengeschichte erzählen kann?

Das Projekt ”Klostergarten Nydala”
Das Projekt ”Klostergarten Nydala” startete im Winter 2004 und ist ein Kulturprojekt, das u.a. gartenarchäologische Untersuchungen innerhalb der Nydala Klosterruine umfasst. Hier soll danach in kleinem Stil ein mittelalterlicher Garten angelegt werden. Gleichzeitig läuft eine Vielzahl an Aktivitäten, wie Vorträge, Seminare, Ausstellungen und Studienkreise rund um das Thema mittelalterliches Klosterleben und Gartenbau. Ziel ist es, Wissen über unser kulturgeschichtliches Erbe zu vermitteln, Interesse zu wecken und einen Raum für Diskussionen zu schaffen, wie dies zukünftig verwaltet werden kann. Im Rahmen des Projektes können sich ehrenamtliche Organisationen, Vereine, Gemeinden, staatliche Werke, unterschiedliche Bildungsinstitutionen u.v.m. einbringen.
  Die Idee zu dem Projekt entstand 2002 und im darauffolgenden Jahr wurde eine Vorstudie durchgeführt, die aufzeigen sollte, welche Vorraussetzungen gegeben sind und welche Richtlinien angemessen. 2004 startete das Projekt, welches heute ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Värnamo, der Verwaltung der Provinz Jönköping, dem Jönköping Läns Museum und den lokalen Organisationen Bürgerinitiative Nydala, Heimatverein Nydala und der Gemeinde Nydala ist. Schon bei Projektbeginn wurden archäologische Untersuchungen in Nydala durchgeführt und im Herbst 2004 wurde eine vertiefte Projektbeschreibung erarbeitet, um die Arbeit fortzusetzen.

Der Klostergarten
Heute gibt es ein Gelände im Kloster Nydala, das in der Alltagssprache ”Klostergarten” genannt wird. Ausgehend von den archäologischen Untersuchungen und von unserem heutigen Wissenstand hinsichtlich mittelalterlicher Gärten, wird wahrscheinlich an dieser Stelle in einigen Jahren ein neuer mittelalterlicher Garten angelegt werden. Was wissen wir denn generell bis heute von den mittelalterlichen Gartenanlagen? Welche Gewächse wurden von den Klostermönchen angebaut? Und wie wurden sie verwendet? Einige Antworten auf diese Fragen können Sie hier finden…

Der Klostergarten gestern
Westlich von der Nydala Klosterkirche und im direkten Anschluss an die sog. Bauernkirche und den Resten der Klostermauer liegt, was heute Klostergarten genannt wird. Schon 1943 bestimmte man das Gelände westlich der Kirche als den ”sog. Klostergarten” und beschrieb ihn als eine offene Wiese zwischen dem Weg zum Nydala Hof und dem erhöhten Gelände der Kirche. 1992 wurden kleine Pflanzungen im Klostergarten vorgenommen, bei welchen Obstbäume, sowie Heil- und Zierpflanzen angepflanzt. Am 21. Mai 2004 führte der Botaniker Lennart Persson eine Gewächsinventierung für das Klostergelände durch. Das inventierte Gebiet - der heutige Klostergarten, das Gelände um die Klosterruienen, sowie der Boden um die Ruinen gleich östlich der Kirche - wurde in vier Teilgebiete aufgeteilt.

Archäologie

Hintergrund
Der archäologische Auftrag besteht aus drei Teilen. Die erste Etappe der Probegrabung wurde durchgeführt, um zu klären, ob es noch intakte Erd-/Kulturschichten aus der Klosterzeit gibt. Diese Untersuchung wird gegebenenfalls durch eine Georadaruntersuchung ergänzt, die das Ziel hat, eventuelle Konstruktionen (Mauern etc.) unter der Erde nachzuweisen. Mit ein wenig Glück sollte man mit Hilfe eines Georadars sogar Reste von eventuellen Gartenwegen lokalisieren können. Der nächste Schritt ist die Pollenanalyse, mit der man versucht, Spuren der Kulturgewächse aus der Klosterzeit zu finden.
Ziel ist es, Angaben darüber zu erhalten, welche Gewächse auf dem Gelände angebaut wurden. Der letzte Schritt ist die archäologische Untersuchung, bei der man sich auf Flächen konzentriert, die sich nach der Probegrabung und der Georadaruntersuchung als die interessantesten herausgestellt haben. Ziel ist es hierbei, eventuelle Spuren von Gärten zu verfestigen und das Gelände mit Klosterüberresten zu meiden, auf welchem kein Garten angelegt werden kann.

Als Nebeneffekt können wir sogar neue Erkenntnisse über die Klosteranlage Nydala gewinnen, sowie Methoden entwickeln, die sich auf Gartenarchäologie und Klosterarchäoloie beziehen.

Die Ziele der archäologischen Arbeit sind:
- archäologisches und naturwissenschaftliches Material, das die Grundlage für das Anlegen und die Rekonstruktion eines mittelalterlichen Klostergartens bietet, zu erhalten.
- eine neue Gartenanlage innerhalb des überlieferten Gebietes zu ermöglichen.
- im Anschluß an die archäologischen Untersuchungen in Nydala das Wissen und das Interesse für die archäologische Arbeit weiter zu geben.

Die Geschichte des Klosters Nydala
Text: Jan O.M. Karlsson © 1992/93, Übersetzung: Ulrike Steffen

Vor beinahe 900 Jahren kamen die Mönche, die das Kloster Nydala gründen sollten, nach Schweden. Seit dieser Zeit war das Schicksal des Klosters bekannt – sowohl für glückliche Zeiten als auch für Tragödien.

Der Bischof von Linköping gründet Nydala
Im Jahre 1144 wanderte eine Schar Mönche vom Kloster Clairvaux in Burgund zu dem Ort am Strand des Ruskensees, welcher ihr neues Heim werden sollte. In Erinnerung an das Mutterkloster Clairvaux, lateinisch Clara-Vallis (das helle Tal), nannten sie ihr neues Heim Nova-Vallis (das neue Tal), Nydala. Mitten in Småland gründeten sie ihr Kloster auf dem Grund und Boden, den ihnen Gislo, Bischop von Linköping, gegeben hatte. Die Schenkung des Bischops wurde durch König Sverker den Alten († 1156) mit u.a. den sog. ”kungstredingen” in den Gemeindewäldern Flata und Nutahult im Kreis Östbo erweitert. Später schenkte Gislo sogar die Höfe Sunnerby, Lundby und ’Witanzby’ in der Gemeinde Vrigstad, einen Hof (Hubbestad?) in der Gemeinde Svenarum, Linneryd in Tofteryd, Nöthult in Byarum, ’Hömundeboth’ in einer unbekannten Gemeinde und schließlich Järnboda in Hagshult.

Schenkungen von nah und fern
Unter König Karl Sverkerssons Regierungszeit (1161-67) erhielten die Mönche von den Brüdern Peter und Germund, ”Häuptlingen” (lokale Größen) der Gegend, auch das Fischereirecht im Rusken. Sogar der Erzbischof Absalon in Lund und sein Nachfolger Andreas Sunesson waren Freunde des Klosters. Sie veranlassten Schenkungen und Schutzhandlungen zu Nydalas Vorteil im späten 12. und im frühen 13. Jahrhundert.

In der weiteren Zeit des Mittelalters kam dem Kloster ein gleichmäßiger Strom an großen und kleinen Schenkungen, von Adelsfamilien, Bürgern, Priestern und Großbauern im Göta- und Svealand zu. Die Besitztümer lagen hauptsächlich in Småland, aber vereinzelte Güter finden sich an ganz abgelegenen Stellen, beispielsweise auf dem Selasee bei Strängnäs und auf Öland. Man schenkte alles, von landwirtschaftlichen Äckern, Waldgebieten, Fischereirechten und Mühlen, bis hin zu beweglicher Habe und Bargeld. Oft ging es dabei um Testamentsschenkungen, die mit einem Wunsch nach Seelenheil verbunden waren und von Gebeten, die um einen Grab in der Klosterkirche oder auf dem Klosterfriedhof baten, begleitet.

Pensionär im Kloster
War man wohlhabend, so konnte man im Alter ”Pensionär” im Kloster werden. Indem man dem Kloster eine große Schenkung überschrieb, bekam man die Erlaubnis der Mönche, sich auf dem Klostergelände ein Haus zu bauen, das man dann bewohnte, solange man lebte. Die Mönche übernahmen es, diese ”Pensionäre” bis an ihr Lebensende zu ernähren und zu pflege, sie erbten dafür das Haus und die bewegliche Habe nach deren Tod.

Die Mönche bauen in Stein
Ihrer Gewohnheit treu, begannen die Mönche unmittelbar nach ihrer Ankunft in Nydala mit der Arbeit, die Klosteranlagen in Stein auszuführen. Die Vollendung der zentralen Anlage dauerte gut 100 Jahre. Man kann damit rechnen, dass ab der Mitte des 14. Jahrhunderts die ganze Klosteranlage ausgeführt war.

Die Mönche von Nydala gründen Klöster auf Gotland

Nach nur gut 20 Jahren in Småland, gerade als die besten Mönche dabei waren, die östlichen Teile der Klosterkirche zu bauen, schickte man eine Gruppe Mönche nach Gotland, um dort ein neues Kloster zu gründen. Der 8. September 1164 wird in den mittelalterlichen Chroniken als das Gründungsdatum für das Kloster Roma angegeben.
Alvastra, das mit der Zeit das Hauptkloster der Zisterzienser in Schweden wird, hatte schon in der Mitte der 1140er Jahre und im Jahr 1160 seine ersten Tochterklöster gegründet. Dass die Mönche in Alvastra und Nydala es nach so kurzer Zeit schafften, nicht nur die Erde zu bebauen und großartige Steinarchitektur zu schaffen, sondern bereits in der Aufbauphase ihres Wirkens in Schweden auch eigene Tochterklöster zu gründen, zeugt von der Stärke der zisterziensischen ”Erweckungsbewegung” im 12. Jahrhundert.

Christian der Tyrann und der Mord in Nydala
Nur einige Jahre vor der Reformation und der Auflösung des Klosterwesens in Schweden, trat ein tragisches Ereignis ein, das im ganzen Norden für Aufmerksamkeit sorgte. Folgendes wird in unterschiedlichen Schriften aus dem Jahr 1520 berichtet:
”Auf dem Weg zurück nach Dänemark, nach dem Blutbad von Stockholm, führt der Weg den Unionskönig Christian II. (Christian der Tyrann) und seine Männer vorbei an Nydala. Sie werden von den Mönchen freundlich empfangen und der König wünscht den besten Wein des Klosters zum Abendmahl. Am nächsten Morgen, gerade als man die Morgenmesse in der Klosterkirche abhält, lässt der König den Abt Arvid Häkansson und die Mönche gefangennehmen. Man rudert mehrere Mönche hinaus auf das gefrorenen Rusken und wirft sie zusammengebunden in ein Loch im Eis. Abt Arvid, dem es gelingt, sich aus seinen Fesseln zu befreien, zieht sich aus dem Wasser, wird jedoch von den Soldaten überfallen, die ihn mit ihren Schwertern zurück ins Wasser stroßen und ihn danach mit Lanzen unter Wasser halten, bis er ertrunken ist.”
Mit einem kurzen Eintrag in die Chronik des Klosters berichten die Nydalamönche selbst von den Ereignissen. Das ganze Ausmaß schildert eine Darstellung, die im Juni 1523 vom schwedischen Reichsrat ausgestellt wird, als man im Reichstag in Strängnäs gerade Gustav Vasa zum schwedischen König gewählt hatte. Einige dieser schriftlichen Quellen geben den Zeitpunkt für den Mord an den Mönchen mit dem 25. Und 27. Januar oder dem 2. Februar an, die Anzahl der ermordeten Mönche variiert in den verschiedenen Erzählungen zwischen 6 und 12.

Gustav Vasa schließt das Kloster
Nur einige Jahre nach dem Mord an Abt Arvid und seinen Mönchen wird die Geschichte des mittelalterlichen Klosterwesens in Schweden beendet. Es war nicht vor allen Dingen die Reformation Martin Luthers, die die Schließung des Klosters nach sich zog, vielmehr war es so, dass Gustav Vasa im Zuge der Reformation die Gelegenheit wahrnahm um die Güter und das Gold der Kirchen und Klöster zu beschlagnahmen. Dies wurde auf einem Reichstreffen in Västerås im Jahre 1527, der Nachwelt bekannt als Västerås-Abkommen, beschlossen, als der König sich das Recht über alles kirchliche Eigentum verschaffte. Der König ernannte schon im gleichen Jahr weltliche Verwalter für viele Klöster im Land und diese Vögte trieben die Erträge der klösterlichen Landwirtschaft, die Edelmetallvorkommen und das Geld für die Staatskasse ein.

Nydalas Klostergüter werden zu Lehen
Im Herbst 1527 gab Gustav Vasa die Höfe Nydalas und ihre Erträge Peder Skrivare, den er früher im Jahr als den Verwalter des Klosters eingesetzt hatte, als Lehen. Peder wurde im Lehensbrief damit beauftragt, die Mönche zu versorgen. Im März 1529 wurden dem Vogt Gottfrid Sure die Güter Nydalas zugeteilt und auch er wurde dazu aufgefordert, für die Bedürfnisse der Mönche zu sorgen. Als sich die Småländer im gleichen Jahr zu einem Aufstand gegen Gustav Vasa zusammenschlossen, wurde Sure für die Verbrechen, die er im Auftrag und im Namen des Königs begangen hatte, erschlagen.

Die Mönche werden vertrieben
Nachdem er den Aufstand niedergeschlagen hatte, verlieh Gustav im Herbst 1529 die Klostergüter an Gudmund Pedersson Slatte, der sie bis 1536 behalten durfte. Die Auftändigen waren katholisch geworden – und dem Kloster freundlich gesinnt. Nachdem viele der småländischen Geistlichen im Aufstand engagiert waren, kann man damit rechnen, dass die Mönche schon 1529 aus dem Kloster vertrieben wurden. Dass Slattes Lehensbriefe von 1529 und 1533 keine Anleitungen mehr darüber zum Inhalt haben, dass die Mönche ihre notwendige Versorgung bekommen sollten, kann als Beweis angesehen werden, dass sie bereits im Herbst 1529 das Kloster verlassen mussten.

Adlige Eigentümer
Von 1530 bis 1610 war das Eigentum des Klosters als Kurzlehen der Königsmacht im Besitz sechs bis sieben verschiedener Adliger. Unter den Eigentümern im 16. Jahrhundert findet man einige Mitglieder der Geschlechter Leijonhufvud und Stenbock. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts besaß das Geschlecht Ridderhjelm Nydala und man ließ im südlichen Teil des Klostergeländes den ersten Herrensitz errichten. In den Jahren 1670-80 ließ Hans Isaak Ridderhjelm die Ruine des östlichen Teils der Klosterkirche restaurieren und errichtete in dieser die heutige Versammlungskirche, die 1688 vom Bischof zu Växjö, Samuel Wiraenius, eingeweiht wurde.

Der neue Herrenhaus
Der damalige Eigentümer Claes Stedt ließ in den 1790er Jahren, südlich des alten Herrenhauses aus dem 17. Jahrhundert, einen neuen Hauptbau für Nydala errichten. Das verputzte zweigeschossige Holzhaus wurde im Jahr 1800 fertig. Im 19. Jahrhundert wechselten die Eigentümer des Nydala Hofs oft. 1946 wurde der Hauptbau an die Gemeinde verkauft, die den Hof zu einer Schule umbaute, diese wurde 1969 geschlossen.

Der Zisterzienserorden – ein kurzer Hintergrund

Text: Jan O.M. Karlsson © 1992/93, Übersetzung: Ulrike Steffen

Der internationale Klosterorden
Zusammen mit Alvastra in Östergötland war Nydala das älteste Mönchskloster im mittelalterlichen Schweden. Beide wurden 1143 gegründet und gehörten dem zu der Zeit ca. 50 Jahre alten Zisterzienserorden an. Dieser entstand Ende des 11. Jahrhunderts in Burgund (Weingebiet Bourgogne) im nordöstlichen Frankreich und war eine Protest- und Reformbewegung innerhalb des christlichen Klosterwesens.
Das erste Kloster des Ordens wurde in der Einöde vor der Stadt Dijon, auf einem Platz der Cîteaux genannt wurde (lateinisiert zu Cistercium), gegründet. Der Ordensgründer Robert sammelte eine Schar Mönche um sich, die zum einfachen Leben in Gebet und Arbeit zurückkehren wollten. Dies hatte der Heilige Benedikt in den Nursia-Regeln, den klassischen christlichen Klosterregeln aus dem 4. Jahrhundert, beschrieben. Damit protestierte man gegen den weltlichen Reichtum und Wohlstand des damaligen Klosterlebens.

Fünf Hauptklöster
Nach den Strapazen und Gegenbewegungen in den ersten zehn Jahren konnte das Kloster Cîteaux im Jahre 1113 sein erstes Tochterkloster La Ferté gründen, dem 1114 ein Kloster in Pontigny folgte und im Jahre 1115 Klöster in Clairvaux und Morimond. Zusammen mit dem Mutterkloster Cîteaux werden diese vier als die Stamm- und Hauptklöster des Ordens bezeichnet. Das Denken der Zisterzienser über ein einfaches Leben in harter Arbeit stieß auf großes Gehör in der christlichen Welt und man kann in der Tat von einer Erweckungsbewegung für die Einfachheit und die Reinheit innerhalb des Klosterwesens im 12. Jahrhundert sprechen.

Eine große Klosterfamilie
Schon um 1110 begann ein explosionsartiges Wachsum für die zisterziensische Klosterfamilie. Zwischen den Jahren 1110 und 1153 gründete man ca. 350 zisterziensische Mönchskloster in Europa, von Portugal und Irland im Westen, Sizilien und Zypern im Süden, über Ungarn und Polen im Osten bis Schweden und Norwegen im Norden. Die allermeisten dieser neuen Klöster gingen von Clairvaux aus, das von seiner Gründung bis zu Beginn des Jahres 1150 von dem charismatischen Abt Bernhard von Clairvaux († 1153 und heilig gesprochen 1174) geleitet wurde. Die meisten Zisterzienserklöster gab es in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als der Orden ca. 700 Mönchs- und 900 Nonnenklöster umfasste.
Alvastra und Nydala gelten als 40. und 41. Tochterkloster von Clairvaux und die ersten Zisterziensermönche in Schweden wurden vom Heiligen Bernhard persönlich dazu beauftragt, unter ”den rauhen und wilden Bewohnern des Nordens” zu wirken.